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Winterfalter

Wo ich in den letzten Jahren immer davon gesprochen habe, die Faltersaison sei eröffnet, kann ich das dieses Jahr guten Gewissens nicht mehr behaupten. Die Faltersaison war nämlich nie zu Ende.

Alle Schmetterlinge überwintern, einige als Ei, als Raupe wie der Sackträger (Dahlica triquetrella) oder als Puppe, einige als Falter. Andere leben als Falter zur Winterzeit: Ptilophora plumigera und Operophtera brumata. Wenige Falter leben tatsächlich als Falter im Winter und auch danach: Zum Bespiel die Eulen Lithophane ornithopus, Conistra vaccini und Epsilia transversa. Wie sie das machen, weiß ich nicht. Tatsächlich müssen sie u.a. verhindern, dass die Hämolymphe, das “Blut” der Schmetterlinge einfriert, kristallisiert und dadurch die Gefäße sprengt. Beim Zitronenfalter weiß man, dass er ein Anti-Freezing-Protein besitzt, das dieses Gefrieren verhindert. Von anderen Faltern hat man (oder ich) keine Ahnung, ob sie es genauso machen.

Selbst die Tagfalter vom März sind mit einer Ausnahme alles Falter, die schon im letzten Jahr geschlüpft sind: Trauermantel, Großer und Kleiner Fuchs, Admiral, Tagpfauenauge, Zitronenfalter.

Der erste Falter, der in diesem Jahr geschlüpft ist, ist der Aurorafalter, der sich aber bis jetzt noch nicht in Pose gesetzt hat, um fotografiert zu werden. Allerdings ist weder die Knoblauchrauke, noch das Wiesenschaumkraut weit genug gewachsen und aufgeblüht, um als Sitzplatz zu dienen. Das Birkenjungferkind habe ich leider in diesem Jahr noch nicht finden können, nur vor einem Jahr. Das ist ein Falter der schon im Februar aus der Raupe schlüpfen kann, wenn es warm genug ist. Auch die Buchenmotte (Diurnea fagella) ist so ein früh schlüpfender Falter.

Die Grasminiermotte Agonopterix heracliana, die im Frühjahr aufeinmal im Zimmer auftauchte, wartet unter der Birkenrinde auf den Frühling. Als das Birkenholz vom kalten Holzschopf in die Wohnung getragen wurde, “erwachte” sie aus ihrer Winterstarre und flog durchs Zimmer.