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Nachtrag zum Artikel “50 verschiedeneTagfalter-Arten”

27.8.2012: Als Nachtrag zu dem früheren Artikel teilte heute das Landratsamt mit, dass die Gemeinde Schluchsee und damit die Gruppenwasserversorgung in Zukunft erst nach dem 15. August mähen wird. Und sie bewegt sich doch 🙂

3.9.2012: Auch die Firma Metzger in Raitenbuch hat Ihre Mitarbeiter darauf hingewiesen, dass sie auf Anregungen, geschützte Pflanzen zu erhalten, eingehen und zumindest Rücksprache mit der Geschäftsleitung suchen sollen.

 

Schlingnatter (Coronella austriaca)

Jetzt ist es dokumentiert: Im Urseetal gibt es neben den Kreuzottern auch weiterhin die Schlingnatter (Coronelle austriaca).

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Schlingnatter – Coronelle austriaca – 2012-07-24 Urseetal

Dieses ungiftige, wärmeliebende Tier bevorzugt die sonnenbeschienenen Schutthalden im Urseetal. Die Art ist von der EU in die Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Richtlinie aufgenommen und streng geschützt, auch außerhalb von ausgewiesenen Schutzräumen. Im Urseetal ist sie schon früher beobachtet worden und steht in der Artenliste der NSG-Beschreibung.

Wir freuen uns sehr über diesen Fund.

zur Ergänzung:

Am 9.8.2012 gelangen weitere Bilder (dieses Tier war insgesamt etwa 35 bis 40 cm lang):

Schlingnatter - Coronelle austriaca - 20120809
Schlingnatter – Coronelle austriaca – 20120809 – Ch. Kleine (durch Klicken ins Bild vergrößern)
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Schlingnatter – Coronelle austriaca – 20120809

Hier ist das Würfelmuster, das vom Kopf aus erst parallel angeordnet ist, ab der neunten Reihe aber versetzt ist, deutlich zu sehen. Eine runde Pupille, ein dunkler Streifen unter dem Auge, der nach hinten unterbrochen wird, sind ebenfalls zu erkennen. Die dunkle Färbung der Kopfoberseite und die großen Platten dort sind alle charakteristisch.

Jubiläum: Die 50. Tagfalterart im Urseetal

Es gibt einen Grund zu Feiern: Heute wurde die 50. Tagfalter-Art im Urseetal fotografiert: Die Ehre gebührt dem Ulmen-Zipfelfalter (Satyrium W album), der auch bei dem relativ schlechten Bild durch das weiße W auf der Hinterflügel-Unterseite charakterisiert werden kann.

Ulmenzipfelfalter 22. Juli 2012 Urseetal
Ulmenzipfelfalter 22. Juli 2012 Urseetal

Der Falter saß ganz ruhig am Waldweidenröschen und wurde erst bei Rückwärtsblicken entdeckt. Der erste Eindruck, dass es sich um den Nierenfleck-Zipfelfalter (Thecla betulae) handele, den wir schon vor zwei Jahren im Urseetal fotografiert haben, bestätigte sich nicht, T.betulae hat zwei weiße Punkt-Strichreihen auf dem Hinterflügel. Außerdem ist die Punktreihe mit orange und schwarz eindeutiges Merkmal.

Der Falter ist auf der aktuellen Roten Liste BW (2008) im Schwarzwald mit gefährdet eingestuft und wie alle Tagfalter durch die Bundesartenschutzverordnung streng geschützt.

 

 

Schwarze Heidelibelle – Sympetrum danae

Heute konnten wir die nächste Libellenart im Urseetal beobachten: die schwarze Heidelibelle, die nicht in der Artenliste des Urseetals beschrieben ist. Es waren zwei Männchen da, von denen das eine sich immer wieder auf die Seerosenblattränder niederließ, während das zweite auf den (warmen) Steinen am Teichrand saß.

Schwarze Heidelibelle - Sympetrum danae
Schwarze Heidelibelle – Sympetrum danae

 

Schwarze Heidelibelle - Sympetrum danae
Schwarze Heidelibelle – Sympetrum danae x2
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Schwarze Heidelibelle

Der Gefährdungsstatus von Sympetrum danae ist unsicher, besonders geschützt ist sie, wie alle Libellen in Deutschland.

 

Das Weibchen ist ziemlich anders gefärbt:

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Schwarze Heidelibelle (Sympetrum danae)

Gestern flog an unserem Teich eine bislang unbekannte Libelle. Aus den Bildern bei Google haben wir zuerst die Gefleckte Heidelibelle (weibl.) Sympetrum flaveolum identifiziert . Dieses Tier ist bereits für das NSG Ursee berichtet. Tatsächlich handelt es sich um das Weibchen der Schwarzen Heidelibelle, Sympetrum danae, das wesentlich farbiger ist als das Männchen (siehe etwas späteren Fund).2012-06-24 Gefleckte Heidelibelle2012-06-24 Gefleckte Heidelibelle

Die Schwarze Heidelibelle ist laut Bundes-Artenschutzverordnung besonders geschützt und in Baden-Württemberg auf der Roten Liste für die meisten als stark gefährdet (2) bzw. im Schwarzwald und am Hochrhein als gefährdet (3) eingestuft. Wurde auch wieder in 2013 beobachtet.

Gemeiner Seidelbast – Daphne mezereum

Am Ostersonntag beim Spaziergang um das Moor den Gemeinen Seidelbast (Daphne mezereum) erstmals im Urseetal photographiert. Diese Pflanze ist in allen Pflanzenteilen giftig. Sie braucht kalkhaltigen Boden, davon gibt es nicht so viel hier. Nährstoffreich und humusreich sind eigentlich auch nicht richtig gegeben. Daher ist sie wohl auch hier selten. Die Art ist nicht in der aktuellen Roten Liste Baden-Württembergs als gefährdet aufgeführt.

Daphne mezereum - Gemeiner Seidelbast
Daphne mezereum – Gemeiner Seidelbast

Rotmilan

Heute Nachmittag saß dieser Rotmilan vorm Haus auf der Wiese. Bei abnehmendem Licht gelangen nur mit Rauschen und 500 mm Tele diese Aufnahme.

Rotmilan auf einer Wiese im Urseetal
Rotmilan auf einer Wiese im Urseetal

(Einen Tag später war dann im Laufe des Tages auch der zweite Vogel da. Wenn Sie länger da sind, gibt es vielleicht noch ein paar Fotos mehr.)

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(20120501)

Ein Jahr mit Frühling!

In diesem Jahr gibt es erstmals seit langem einen richtigen Frühling im Urseetal. Fast vier Wochen Sonnenschein im März haben den Schnee schmelzen lassen. Schon vor dem ersten April blühen Märzenbecher und Pestwurz. Die Zugvögel wie Star oder Rotschwanz sind auch schon lange wieder da.Und dazu gab es auch schon den ersten Laich, wie immer in der größten Pfütze auf dem Urseerundweg. Bleibt noch zu bemerken, dass im eigenen Teich die Qualkappen heute schon geschlüpft sind. Dazu blühen Narzissen und Tulpen schon vor Ostern.

Märzenbecher
Märzenbecher
Kröten-/Froschlaich am 26. März
Kröten-/Froschlaich am 26. März

Unsere Freunde, die Landwirte, sind auch schon kräftig am Düngen: Im gesamten Naturschutz-Gebiet ist, mit der dorfnächsten Wiese als Ausnahme, allerdings die Düngung im März ausgeblieben!! Kompliment! Ansonsten ist im März nur Mist gefahren worden. Die Gülleablage fand erst in der dieser Woche wie üblich zu den Osterfeiertagen und den aktuellen Touristenströmen statt. Warum das bei Regen abläuft, darf man uns noch erklären.

Für die kommenden Ostertage wünschen wir frohes Spazieren Gehen. Vielleicht auch mit dem Osterhasen!

Ein seltener Bewohner

Raubwürger 24-Jan-2012 im Urseetal
Raubwürger 24-Jan-2012 im Urseetal

Dieser Amsel-große Vogel ließ sich heute aus 50 m Entfernung fotographieren. Auffällig der schwarze lange Schwanz. Ein Würger, aber nicht der Neuntöter, der auch im Urseetal heimisch ist, sondern ein Raubwürger, von dem nur insgesamt 30 Brutpaare in Baden-Württemberg bekannt sind (Stand der Roten Liste 2004); andere Würger sind Zugvögel und jetzt nicht im Lande, dadurch vereinfacht sich die Bestimmung. Der Raubwürger ist ein sehr seltener Vogel. Er kommt fast in ganz Europta und in Sibieren vor, aber in Baden-Württemberg ist er extrem selten. Wir lassen einfach die Rote Liste sprechen (Kursiv und grau : Angaben aus der Legende der Roten Liste; Quelle: http://www.fachdokumente.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/50139/rote_liste_brutvogelarten.pdf)

(Auszug aus der Roten Liste der Brutvögel Baden-Württemberg 2004)

Lanius excubitor Linnaeus, 1758 – Raubwürger (Grauwürger)

Status: I (Regelmäßig brütende heimische Vogelarten)

Gefährdungsstatus: 1 (vom Aussterben bedroht)

Brutbestand in Deutschland:1.800-2.500

Brutbestand in Baden-Württemberg: 20-30

Internationale Schutzrelevanz: SPEC 3 (Arten mit negativer Bestandsentwicklung bzw. ungünstigem Erhaltungszustand in Europa,

die aber nicht auf Europa konzentriert sind.)

Verantwortung Baden-Württembergs (Anteil am Brutbestand von Deutschland): etwa 1 %

Bestandsentwicklung: Trend –2 (Bestandsabnahme > 50 %)

Einstufung: a1 (sehr starke Bestandsabnahme (> 50 %) oder sehr starker Arealverlust

(1) sehr selten (< 100 BP d.h. Brutpaare) oder an wenigen Stellen (1-3 bei Koloniebrütern,

< 10 bei Einzelbrütern)

Gefährdungsursachen: Lebensraumverlust: Ausräumung und Zerstörung kleinflächig bewirtschafteter

Kulturlandschaft einschließlich der Streuobstgürtel; Zerstückelung des Lebensraumes

durch Feldwege- und Straßenbau; Zunahme von Störungen; Anwendung von Bioziden.

Notwendige Schutzmaßnahmen: Erhaltung großflächiger, extensiv genutzter Landschaften,

insbesondere mit Streuobstgebieten, Steinriegelhecken, Heiden und Flachmooren, Erhaltung

von Ödland- und Bracheflächen, keine Aufforstung von Wiesen-, Ödland-, Brache- und Niedermoorgebieten;

Reduzierung der Anwendung von Bioziden in der freien Landschaft; keine

weitere Erschließung der freien Landschaft mit befestigten Feldwegen.

Umso mehr freuen wir uns, dass wir heute diesen selten Bewohner entdecken konnten. Hoffentlich bleibt er uns erhalten.

ps: Wir haben den Fund an das Haus der Natur und die ornithologische Gesellschaft Baden-Württemberg gemeldet.

Am Jahresende!

Liebe Urseetal-Freunde! An diesem Jahresende lohnt es sich Bilanz zu ziehen, denn es hat sich einiges getan: Mit dem Kulturlandschaftsprojekt, dass in den nächsten beiden Jahren weitergeführt wird, konnte die Aufmerksamkeit auf das Urseetal gerichtet werden. Es hat einige Enthurstungen und Freihaltungsaktionen gegeben, durch die der Anblick auf das Tal und das Hochmoor geöffnet wurden, wenn auch manchmal etwas schmerzlich für die Beteiligten. Es war ein phantastisches Schmetterlingsjahr bis zum 15. Juli, die Zahl der beobachteten Arten wurde auf 49 hochgeschraubt. Schließlich gab es ab August Heuschrecken zu beobachten, in deren Gesang und deren Finden wir uns noch weiter einarbeiten werden.

Mit dem Neuen Jahr sind die Tagfalter-Funde aus dem Urseetal auch in der öffentlich zugänglichen Schmetterlingsdatenbank schmetterlinge-bw.de zu finden, die vom Staatlichen Naturkunde-Museum Karlsruhe für ganz Baden-Württemberg geführt wird und wodurch die Daten von Ebert weitergeführt werden. Aktuell sind die Beobachtungen von 2008 und 2009 dort hinterlegt, die von 2010 und 2011 werden bald folgen. Unsere Aktivitäten im Urseetal sind so eine gute Ergänzung zu den anderen Funden. Jeder fünfte Tagfalter, den wir im Urseetal fotografieren konnten, steht auf der Roten Liste. Einige Arten sind gefährdet und sogar stark gefährdet (vergleiche die Tagfalter-Seite). Mehrere der Arten sind auch im 111-Arten-Korb der LUBW (Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg). Woanders ist schon ein Tier im Arten-Korb Anlass zu Aktivitäten, hier sind nicht nur Tagfalter, sondern auch verschiedene Vögel und Schlagen im Artenkorb, ohne dass bisher etwas passiert ist. Zugegeben, ein NSG und ein geplantes NSG (da kommt es offensichtlich zu Verzögerungen) und einen Modellversuch Kulturlandschaftprojekt gibt es woanders auch nicht.

Unser Ziel für dieses Jahr ist ein erweiterter Falter-Schutz auch außerhalb des NSG. Dafür wurde der Beauftragte für Vertragsnaturschutz im Landratsamt schon angeschrieben. Außerdem wollen wir die Falterpracht verstärkt bekannt machen. Entwürfe für einige Postkarten liegen schon vor und können angefragt werden. Im Juni ist dann auch eine Naturkundliche Wanderung durch das Urseetal vorgesehen, bei der hoffentlich auch Tagfalter gezeigt werden können.

Allen Freunden des Urseetales ein gesundes und erfolgreiches Neues Jahr 2012!

Die Urseetäler

Der Blick ist frei!

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Unverstellter Blick von der Pulverturmmoräne zum Moor – 2011-08-19

Ein weiterer Punkt des Projektteams Ursee wurde erfüllt: Jetzt gibt es einen unverstellten Blick von der Pulverturmmoräne bis zum Moor.

Im Rahmen der Enthurstung wurden auch die Fichten an der früheren Brückenrampe gefällt. Dadurch gibt es jetzt schon am Pulverturm eine Aussicht bis zum Moor. Die sichtbare Talaue ist vollständig in das Naturschutzgebiet eingegliedert. Letzteres umfasst aber weitere Wiesen und den Talgrund bis fast zur Straße von Lenzkirch nach Schluchsee. Auf dem Kahlschlag, von dem jetzt die schweren Fahrzeuge abgezogen sind, wird noch aufgeräumt. Am 22. Oktober 2011, einem Samstag, wird ein größeres Team versuchen, alles Reisig von der Kahlschlagfläche zu entfernen, damit dort ab dem nächsten Jahr gemäht werden kann. Für diese Aufräumaktion, die vom Regierungspräsidium, von der Gemeinde und vom Kulturlandschaftsprojekt geplant wird, werden noch Helfer gesucht.

Bis jetzt wurden 600 Festmeter Holz zur Verwertung abgefahren, etwa weitere 200 Festmeter warten darauf, abgefahren zu werden. Die zusammengetragenenen kleineren Bäume und das gröbere und feinere Astwerk werden zu Hackschnitzel verwertet. Mit dem Erlös aus diesen Verkäufen kann die Enthurstung finanziert werden.

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ehemaliger Fichtenwald, demnächst Moorwiese – 2011-08-19

Der Kahlschlag ist in seinem linken Rand schon soweit aufgeräumt, dass in der nächsten Woche eine nach Naturschutz-Richtlinien passende Samenmischung ausgebracht werden kann, die bis zum ersten Frost keimen und heranwachsen soll. Der übrige Teil wird noch in diesem Jahr soweit von Reisig geräumt, dass im nächsten Jahr mit Balkenmähern gemäht werden kann. Auf den Einsatz von Schleppern muss hier verzichtet werden, weil der Grundwasserspiegel nur etwa 30 bis 50 cm unter der Oberfläche liegt und damit jeder Schlepper gefährdet ist, sich festzufahren.

Wir hoffen, dass die freie Sicht auf den See und das NSG helfen, den Naturschutzgedanken weiter im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern.