Amphibienexkursion und Vortrag

Am Dienstag, den 5. Juli, trafen sich etwa 12 Teilnehmer mit Klemens Fritz, Naturschutzbeautragter im Landratsamt Emmendingen und ausgewiesener Spezialist für die heimischen Amphibien, um am Windgefällweiher nach Fröschen, Kröten und Molchen zu schauen. Da abends noch ein Vortrag von Klemens Fritz in Schluchsee stattfand, hatte Siegfried Kognitzki schon in der Vorbereitung einige Kaulquappen und Molchlarven gekeschert, so dass den Teilnehmern ein eigenes Suchen erspart blieb.

(Klemens Fritz hat den Tieren auf den Bildern ihren Namen gegeben (wo das Foto es zuließ), Klicken auf das Bild öffnet (evtl.) eine größeres Bild; diese Galerie von 11 Bildern ist nur mit aktiviertem Javascript sichtbar).

 

Bei seinem Vortrag am Abend stellte Klemens Fritz die heimischen Arten vor, wie sie in Baden-Württemberg angetroffen werden können: Hauptarten, nicht nur am Windgfällweiher, sondern fast überall im Hochschwarzwald sind: Grasfrosch, Erdkröte, Berg- und Fadenmolch. Alle anderen Arten sind im Hochschwarzwald nur noch an einigen Fundstellen vertreten, wobei dabei aber immer wieder Überraschungen der positiven wie der negativen Art auftreten. Besonders beeindruckend war in seinem Vortrag die Tatsache, dass Herr Fritz immer wieder die Rufe der vorgestellten Arten imitieren konnte.

Als ein Fazit stellt sich dar, dass der Amphibienschutz, sei er vorbeugend oder begleitend, notwendig ist, um hier nicht nur die Artenvielfalt, sondern für die Hauptarten den Individuenreichtum zu erhalten. Das Erdkrötenvorkommen am Windgfälltweiher ist eines der bedeutendsten in Baden-Württemberg, nicht zuletzt durch den unermüdlichen Einsatz der örtlichen NABU-Gruppe.

Wenn deren Arbeit vor Ort und in dem Bürokratieprozess durch den Bau der neuen ortsfesten Tunnel und Leitsysteme gewürdigt worden ist, kann man das nicht genügend loben. Hätten sich all diejenigen, die sich so heftig dieser Baumaßnahme widersetzt haben, persönlich um die Erstellung der Krötenzäune und das Herübertragen der Tiere, zuerst Richtung Weiher und später Richtung Wald, kümmern müssen, sind wir sicher, dass auch sie die Maßnahmen begrüßt hätten. Dass die Zahlen der Bausumme auch in der Presse aufgebauscht wurden, ist eine traurige Realität. Wenn der Bürgermeistersprengel behaupten kann, dass die Gelder besser für Kindergärten und andere soziale Einrichtungen hätte verwendet werden sollen, zeigt sich entweder eine erstaunliche Unbedarftheit mit der Finanzbürokratie und den unterschiedlichen Töpfen dort, die Mittel stammen aus dem 2. Konjunkturprogramm für den Straßenbau und dort aus dem Topf für Biotopvernetzungen an Bundesfernstraßen, oder es handelt sich um eine populistische Äußerung, um den “Volkszorn” aufzunehmen, beides jenseits von Gut und Böse und vermutlich wider besseres Wissen und Gewissen. Hier liegt der wirkliche Skandal dieser glücklicherweise abgeschlossenen Maßnahme. Dass der neue Fahrradweg gut angenommen worden ist, konnte gestern nachmittag ebenfalls festgestellt werden.

Perlmutterfalter

Heute am Sonntag Nachmittag am Naturschutzgebiet fünf verschiedene Perlmutterfalter fotografiert: Kaisermantel (Argynnis paphia), Großer Perlmutterfalter (Argynnis aglaja), Braunfleckiger Perlmutterfalter (Boloria selene), Mädesüß-Perlmutterfalter (Brenthis ino) und Natterwurz-Perlmutterfalter (Boloria titania). Dagegen sind die Bläulinge aktuell fast verschwunden, nachdem die Wiesen im Urseetal innerhalb von einer Woche vollständig mit (soweit ich es sehen kann) einer Ausnahme gemäht wurden. Im Garten fand sich aber immerhin am Thymian ein Weibchen vom Lilagold-Feuerfalter (Lycaena hippothoe).

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(Klicken auf das Bild öffnet eine große Version.)

Kleines Pfingstgeschenk: Hochmoor-Perlmutterfalter

Der Hochmoor-Perlmutterfalter (Boloria aquilonaris) ist vom Aussterben bedroht (andere Lesart: stark gefährdet) und wird daher besonders geschützt. Das ist jetzt der 45. Tagfalter im Urseetal.

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Sowohl am 12. Juni und am 16. Juni haben wir den Hochmoor-Perlmutterfalter beobachtet.

Bei dieser Bestimmung haben das Lepiforum (Forum für Schmetterlinge und ihre Freunde) und Peter Simon aus Titisee-Neustadt geholfen. Herzlichen Dank!

Ein weiteres NSG für Lenzkirch: Wolfmoos

Am Donnerstag, den 9. Juni 2011, fand eine Informationsveranstaltung und eine Anhörung zum geplanten NSG Wolfmoos statt. Seit der Biotop-Kartierung vor etwa 20 Jahren werden die Nasswiesen zwischen Lenzkirch und Kappel als schützenswert angesehen. Da diese nicht von der FFH-Richtlinie europaweit geschützt werden, hat jetzt das Regierungspräsidium (RP) Freiburg einen Anlauf genommen, ein Naturschutzgebiet einzurichten. Dabei spielen vor allem folgende Überlegungen eine Rolle:

  • Durch die bisherige extensive Landwirtschaft in diesem Bereich hat sich ein artenreiches Gelände entwickelt, das es zu erhalten gilt.
  • Das RP würdigt ausdrücklich die aktuelle landwirtschaftliche Nutzung und will, dass es dabei bleibt.
  • Indem ein NSG ausgewiesen wird, kann das RP durch finanzielle Förderung der extensiven Landwirtschaft den aktuellen wünschenswerten Zustand fortschreiben.

Es fand eine Begehung eines Teiles des 55 ha großen Areals statt. Dabei wurden die Nasswiesen zum einen, aber auch einige Magerrasen-Flächen als schützenswert herausgestellt. Auf den Nasswiesen gibt es als Rarität in Baden-Württemberg den Moorklee, außerdem mehrere Orchideenarten. Für den Teil mit den Magerrasen ist die Pechnelke besonders hervorzuheben. Es wurde als bemerkenswert herausgestellt, dass innerhalb von wenigen Metern Pflanzen angetroffen werden, die einerseits kalkarme, andererseits saure Böden charakterisieren.

Nach der Begehung wurde das NSG-Projekt auch im Gemeinderat vorgestellt. Dabei wurde Gesprächsbedarf mit den betroffenen Landwirten festgestellt, so dass es innerhalb des Projektes in Kürze zu einer Informationsveranstaltung mit den Landwirten kommen wird. Auf der anderen Seite wurde der Wunsch geäußert, dass ein NSG auch für die Bevölkerung erreichbar sein müsse.

Aus den Erfahrungen mit dem Schattendasein des NSG Ursee kann man nur folgern, dass eine publikumswirksame Gestaltung und Bewerbung schon im Vorfeld stattfinden muss, nicht erst nach 20 oder 40 Jahren.

Da das RP selbst noch dabei ist, die NSG-Verordnung zu gestalten, wird es sicher noch bis zum Herbst brauchen, bis das offizielle Verfahren eingeleitet wird. Ein heutiger Spaziergang konnte neben verschiedenen Heuschreckenarten und einigen Schmetterlingen zwei Orchideenarten, Trollblumen, ganze Striche mit Schachtelhalmen und die Nässe der Wiesen bestätigen.NSGWolfmoos-e1307815066362

Ralf Morys hat in der Badischen Zeitung von heute ebenfalls einen Artikel zu diesem Thema verfasst.

Schmetterlinge

Auf dieser und den verknüpften Seiten werden die verschiedenen Schmetterlinge, die bisher im Urseetal von uns fotografiert wurden, dokumentiert. Mit Ausnahme der Tagfalter ist die Liste wohl nicht erschöpfend, da gerade bei den Nachtfaltern kein regelmäßiges Aufnehmen stattgefunden hat und gerade wegen der Tageszeit auch nicht gewünscht war. Außerdem entziehen sich gerade die Mininachtfalter der Identifizierung durchs Fotografieren allein, da sie zwar immer angetroffen werden, aber selten mit ausgebreiteten Flügeln, was sie ansprechbar machen würde.

Aufgeteilt ist die Dokumentation vorläufig nach

Falter fotografiert

(auf das Bild klicken für eine Vergrößerung)

Die drei Schmetterlinge von heute sind besonders farbenprächtig: Natternwurz-Perlmutterfalter (Boloria titania; links), Lilagold-Feuerfalter (Lycaena hippothoe; mitte) und Violetter Feuerfalter (Lycaena alciphron; rechts).

Alle drei sind besonders geschützt durch die Bundesartenschutzverordnung; beide Feuerfalter gelten nach der Roten Liste als stark gefährdet, der Perlmutterfalter als gefährdet.

Schmetterlingsführung um die Kappeler Kiesgrube

Logo Heute nachmittag führte Peter Simon aus Titisee-Neustadt eine Gruppe von Interessierten auf eine Schmetterlingsexkursion entlang des Bähnleradweges in Kappel und zur ehemaligen Kiesgrube. Im Unterschied zu früheren Jahren wurden diesmal einige Schmetterlinge gefangen und konnten danach eindeutig bestimmt werden: Gerade bei den verschiedenen Perlmutterfaltern erwies sich die Methode als günstig: Es wurden, Silberfleck-Perlmutterfalter (Boloria euphorsyne), Randring-Perlmutterfalter (Boloria eunomia), Natterwurz-Perlmutterfalter (Boloria titania) und der Mädesüß-Perlmutterfalter (Brenthis ino) bestimmt. Dazu wurden die häufigeren Arten Kleiner Fuchs, Schornsteinfeger, Kleines Wiesenvögelchen gezeigt. Bei den Mohrenfaltern flog der Gelbbindige Mohrenfalter (Erebia meolans). Bei schönstem Wetter gelang man zur Kiesgrube, wo in diesem Jahr noch keine Rinder weideten (Zum Glück). Dort waren zahlreiche Männchen und Weibchen des Hauhechelbläulings (Polyommatus icarus) zu finden.

Gebannt verfolgten die Teilnehmer immer wieder die Schwarzen (obere Bilder) und Roten (untere Bilder), die über dem Gutachtal kreisten.

SchwarzerMilan

Peter Simon wusste mit seinem Wissen über Lebensweise und Bedrohung der Schmetterlinge die Teilnehmer zu beeindrucken. Er konnte aber auch einige wunderschöne Pflanzen vorführen, Rote und Violette Akelei und (wenn auch wegen eines Wildschweinüberfalls von über 100 auf 1 Pflanze reduziert) die Orchideen in der Kiesgrube. Erschöpft nach dem langen und heißen Nachmittag, aber mit vielen neuen Informationen dankten ihm die Teilnehmer ganz herzlich.

Luftkampf zwischen Kolkrabe(!!) und drei Rabenkrähen

Wir hatten es ja schon vermutet, jetzt ist es offensichtlich: Kolkraben im Urseetal. Vier Krähenvögel im Luftkampf beobachtet, drei davon deutlich kleiner als der vierte Vogel, der dann auch noch mit einem tiefen Kroa ruft. Bisherige Rufe von Kolkraben in der Wutachschlucht, in Raitenbuch und im Urseetal beim Abzweig zum Möslehof wahrgenommen, aber nie einen Vogel gesehen. Heute dann am späten Nachmittag den Luftkampf beobachtet. Toll!

Enthurstungen um den Ursee

Wie in der Arbeitsgruppe “Ursee” des Kulturlandschaftprojektes vorgeschlagen, fanden in dieser Woche die ersten Enthurstungsmaßnahmen um den Ursee statt. Dabei wurden vor allem Fichten aus dem Moor und von seinen Rändern entfernt. Damit werden die charakteristischen Moorbäume, vor allem Birken und Kiefern, prägend. Wir freuen uns riesig, dass hier durch die Zusammenarbeit von Regierungspräsidium, Gemeinde und Forstverwaltung diese Maßnahmen zur Erhaltung des Naturkleinodes Ursee zustande gekommen sind.

Bei uns im Urseetal