Jubiläum: Die 50. Tagfalterart im Urseetal

Es gibt einen Grund zu Feiern: Heute wurde die 50. Tagfalter-Art im Urseetal fotografiert: Die Ehre gebührt dem Ulmen-Zipfelfalter (Satyrium W album), der auch bei dem relativ schlechten Bild durch das weiße W auf der Hinterflügel-Unterseite charakterisiert werden kann.

Ulmenzipfelfalter 22. Juli 2012 Urseetal
Ulmenzipfelfalter 22. Juli 2012 Urseetal

Der Falter saß ganz ruhig am Waldweidenröschen und wurde erst bei Rückwärtsblicken entdeckt. Der erste Eindruck, dass es sich um den Nierenfleck-Zipfelfalter (Thecla betulae) handele, den wir schon vor zwei Jahren im Urseetal fotografiert haben, bestätigte sich nicht, T.betulae hat zwei weiße Punkt-Strichreihen auf dem Hinterflügel. Außerdem ist die Punktreihe mit orange und schwarz eindeutiges Merkmal.

Der Falter ist auf der aktuellen Roten Liste BW (2008) im Schwarzwald mit gefährdet eingestuft und wie alle Tagfalter durch die Bundesartenschutzverordnung streng geschützt.

 

 

Schwarze Heidelibelle – Sympetrum danae

Heute konnten wir die nächste Libellenart im Urseetal beobachten: die schwarze Heidelibelle, die nicht in der Artenliste des Urseetals beschrieben ist. Es waren zwei Männchen da, von denen das eine sich immer wieder auf die Seerosenblattränder niederließ, während das zweite auf den (warmen) Steinen am Teichrand saß.

Schwarze Heidelibelle - Sympetrum danae
Schwarze Heidelibelle – Sympetrum danae

 

Schwarze Heidelibelle - Sympetrum danae
Schwarze Heidelibelle – Sympetrum danae x2
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Schwarze Heidelibelle

Der Gefährdungsstatus von Sympetrum danae ist unsicher, besonders geschützt ist sie, wie alle Libellen in Deutschland.

 

Das Weibchen ist ziemlich anders gefärbt:

Sympetrum_flaveolum-1 Sympetrum_flaveolum-2

Schwarze Heidelibelle (Sympetrum danae)

Gestern flog an unserem Teich eine bislang unbekannte Libelle. Aus den Bildern bei Google haben wir zuerst die Gefleckte Heidelibelle (weibl.) Sympetrum flaveolum identifiziert . Dieses Tier ist bereits für das NSG Ursee berichtet. Tatsächlich handelt es sich um das Weibchen der Schwarzen Heidelibelle, Sympetrum danae, das wesentlich farbiger ist als das Männchen (siehe etwas späteren Fund).2012-06-24 Gefleckte Heidelibelle2012-06-24 Gefleckte Heidelibelle

Die Schwarze Heidelibelle ist laut Bundes-Artenschutzverordnung besonders geschützt und in Baden-Württemberg auf der Roten Liste für die meisten als stark gefährdet (2) bzw. im Schwarzwald und am Hochrhein als gefährdet (3) eingestuft. Wurde auch wieder in 2013 beobachtet.

Zeichen und Wunder!

In der letzten Woche sind die ersten neuen Schilder, die das Naturschutzgebiet anzeigen, aufgestellt worden. Darauf haben wir seit einigen Jahren gewartet. Damit kann hoffentlich der persönliche Einsatz verringert werden, mit dem Kindergärtnerinnen und Hundebesitzer auf das Vorhandensein eines NSG zum Schutz der Kreuzottern hingewiesen wurden. Zwar waren diejenigen sehr verständig und einsichtig, aber mit der neuen Beschilderung findet dann das Entlangstreifen an den Kreuzotterplätzen erst garnicht mehr statt. In wieweit sich die Landwirte an einen anderen Beobachtungsstatus bei Tätigkeiten im NSG gewöhnen müssen oder wollen, bleibt abzuwarten.

Gemeiner Seidelbast – Daphne mezereum

Am Ostersonntag beim Spaziergang um das Moor den Gemeinen Seidelbast (Daphne mezereum) erstmals im Urseetal photographiert. Diese Pflanze ist in allen Pflanzenteilen giftig. Sie braucht kalkhaltigen Boden, davon gibt es nicht so viel hier. Nährstoffreich und humusreich sind eigentlich auch nicht richtig gegeben. Daher ist sie wohl auch hier selten. Die Art ist nicht in der aktuellen Roten Liste Baden-Württembergs als gefährdet aufgeführt.

Daphne mezereum - Gemeiner Seidelbast
Daphne mezereum – Gemeiner Seidelbast

Ein Jahr mit Frühling!

In diesem Jahr gibt es erstmals seit langem einen richtigen Frühling im Urseetal. Fast vier Wochen Sonnenschein im März haben den Schnee schmelzen lassen. Schon vor dem ersten April blühen Märzenbecher und Pestwurz. Die Zugvögel wie Star oder Rotschwanz sind auch schon lange wieder da.Und dazu gab es auch schon den ersten Laich, wie immer in der größten Pfütze auf dem Urseerundweg. Bleibt noch zu bemerken, dass im eigenen Teich die Qualkappen heute schon geschlüpft sind. Dazu blühen Narzissen und Tulpen schon vor Ostern.

Märzenbecher
Märzenbecher
Kröten-/Froschlaich am 26. März
Kröten-/Froschlaich am 26. März

Unsere Freunde, die Landwirte, sind auch schon kräftig am Düngen: Im gesamten Naturschutz-Gebiet ist, mit der dorfnächsten Wiese als Ausnahme, allerdings die Düngung im März ausgeblieben!! Kompliment! Ansonsten ist im März nur Mist gefahren worden. Die Gülleablage fand erst in der dieser Woche wie üblich zu den Osterfeiertagen und den aktuellen Touristenströmen statt. Warum das bei Regen abläuft, darf man uns noch erklären.

Für die kommenden Ostertage wünschen wir frohes Spazieren Gehen. Vielleicht auch mit dem Osterhasen!

Schneeschaufeln für den Amphibienschutz

Der Graben, in dem die Kröten und Frösche sich sammeln sollen, um durch die Tunnel die B500 am Windgfäll-Weiher zu unterqueren, liegt so hoch mit Schnee voll, dass die Lurche ohne Probleme über die Straße laufen können. Daher ist am

Donnerstag, den 15. März um 15.30 Uhr

Schneeschaufeln neben der B500 angesagt.

Treffpunkt: In Höhe der Bushaltestelle Abzweigung Raitenbuch auf der Radwegseite mit Martin Bach und Siggi Kognitzki.
Helfer mit Schneeschaufel herzlich willkommen!

Ein seltener Bewohner

Raubwürger 24-Jan-2012 im Urseetal
Raubwürger 24-Jan-2012 im Urseetal

Dieser Amsel-große Vogel ließ sich heute aus 50 m Entfernung fotographieren. Auffällig der schwarze lange Schwanz. Ein Würger, aber nicht der Neuntöter, der auch im Urseetal heimisch ist, sondern ein Raubwürger, von dem nur insgesamt 30 Brutpaare in Baden-Württemberg bekannt sind (Stand der Roten Liste 2004); andere Würger sind Zugvögel und jetzt nicht im Lande, dadurch vereinfacht sich die Bestimmung. Der Raubwürger ist ein sehr seltener Vogel. Er kommt fast in ganz Europta und in Sibieren vor, aber in Baden-Württemberg ist er extrem selten. Wir lassen einfach die Rote Liste sprechen (Kursiv und grau : Angaben aus der Legende der Roten Liste; Quelle: http://www.fachdokumente.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/50139/rote_liste_brutvogelarten.pdf)

(Auszug aus der Roten Liste der Brutvögel Baden-Württemberg 2004)

Lanius excubitor Linnaeus, 1758 – Raubwürger (Grauwürger)

Status: I (Regelmäßig brütende heimische Vogelarten)

Gefährdungsstatus: 1 (vom Aussterben bedroht)

Brutbestand in Deutschland:1.800-2.500

Brutbestand in Baden-Württemberg: 20-30

Internationale Schutzrelevanz: SPEC 3 (Arten mit negativer Bestandsentwicklung bzw. ungünstigem Erhaltungszustand in Europa,

die aber nicht auf Europa konzentriert sind.)

Verantwortung Baden-Württembergs (Anteil am Brutbestand von Deutschland): etwa 1 %

Bestandsentwicklung: Trend –2 (Bestandsabnahme > 50 %)

Einstufung: a1 (sehr starke Bestandsabnahme (> 50 %) oder sehr starker Arealverlust

(1) sehr selten (< 100 BP d.h. Brutpaare) oder an wenigen Stellen (1-3 bei Koloniebrütern,

< 10 bei Einzelbrütern)

Gefährdungsursachen: Lebensraumverlust: Ausräumung und Zerstörung kleinflächig bewirtschafteter

Kulturlandschaft einschließlich der Streuobstgürtel; Zerstückelung des Lebensraumes

durch Feldwege- und Straßenbau; Zunahme von Störungen; Anwendung von Bioziden.

Notwendige Schutzmaßnahmen: Erhaltung großflächiger, extensiv genutzter Landschaften,

insbesondere mit Streuobstgebieten, Steinriegelhecken, Heiden und Flachmooren, Erhaltung

von Ödland- und Bracheflächen, keine Aufforstung von Wiesen-, Ödland-, Brache- und Niedermoorgebieten;

Reduzierung der Anwendung von Bioziden in der freien Landschaft; keine

weitere Erschließung der freien Landschaft mit befestigten Feldwegen.

Umso mehr freuen wir uns, dass wir heute diesen selten Bewohner entdecken konnten. Hoffentlich bleibt er uns erhalten.

ps: Wir haben den Fund an das Haus der Natur und die ornithologische Gesellschaft Baden-Württemberg gemeldet.

Perlmutterfalter im Urseetal

Um einen Überblick zu gewinnen, haben wir mal einen Auszug von Daten in einer Präsentation zusammengestellt.

Titelblatt(auf das Bild klicken)

Dazu haben wir die Rote Liste Baden-Württemberg von 2008 benutzt. Dort sind die aktuelsten Bewertungen. Danach ist von den Faltern, anders als Ebert in seinem Sammelband “Die Schmetterlinge Baden-Württembergs” Band 1 Tagfalter (Ulmer Verlag 1991) beschrieben kein Perlmutterfalter im Hochschwarzwald aktuell vom Aussterben bedroht oder stark gefährdet. Das könnte sehr beruhigend sein.

Die Vorkommen sind aber auch nach 2000 nur punktuell. Dazu haben wir die Verbreitungskarten der Landesdatenbank Schmetterlinge in Baden-Württemberg abgefragt. Nach diesen Befunden sind die meisten Perlmutterfalter immer noch selten, vielleicht nicht unmittelbar vom Aussterben bedroht, aber wie Ebert es in seinem Buch immer wieder exemplarisch macht, können kleine Nutzungs-Änderungen drastische Auswirkungen auf Inselpopulation haben.

Diese Übersicht zeigt aber auch, dass es nützlich ist, die eigenen Beobachtungen der Landesdatenbank verfügbar zu machen. Einige der Falter waren seit Jahren nicht mehr für Lenzkirch berichtet, teilweise noch nie.

Erstbeobachtungen für das Urseetal Kaisermantel (?!), Großer Perlmutterfalter, Mittlerer Perlmutterfalter, Hochmoorperlmutterfalter, Silberfleck-Perlmutterfalter, Randringperlmutterfalter, sechs von 10 insgesamt vorkommenden Arten.

Die Daten zum Habitat und zur Ökologie sind aus Ebert (s.o.) zitiert.

Am Jahresende!

Liebe Urseetal-Freunde! An diesem Jahresende lohnt es sich Bilanz zu ziehen, denn es hat sich einiges getan: Mit dem Kulturlandschaftsprojekt, dass in den nächsten beiden Jahren weitergeführt wird, konnte die Aufmerksamkeit auf das Urseetal gerichtet werden. Es hat einige Enthurstungen und Freihaltungsaktionen gegeben, durch die der Anblick auf das Tal und das Hochmoor geöffnet wurden, wenn auch manchmal etwas schmerzlich für die Beteiligten. Es war ein phantastisches Schmetterlingsjahr bis zum 15. Juli, die Zahl der beobachteten Arten wurde auf 49 hochgeschraubt. Schließlich gab es ab August Heuschrecken zu beobachten, in deren Gesang und deren Finden wir uns noch weiter einarbeiten werden.

Mit dem Neuen Jahr sind die Tagfalter-Funde aus dem Urseetal auch in der öffentlich zugänglichen Schmetterlingsdatenbank schmetterlinge-bw.de zu finden, die vom Staatlichen Naturkunde-Museum Karlsruhe für ganz Baden-Württemberg geführt wird und wodurch die Daten von Ebert weitergeführt werden. Aktuell sind die Beobachtungen von 2008 und 2009 dort hinterlegt, die von 2010 und 2011 werden bald folgen. Unsere Aktivitäten im Urseetal sind so eine gute Ergänzung zu den anderen Funden. Jeder fünfte Tagfalter, den wir im Urseetal fotografieren konnten, steht auf der Roten Liste. Einige Arten sind gefährdet und sogar stark gefährdet (vergleiche die Tagfalter-Seite). Mehrere der Arten sind auch im 111-Arten-Korb der LUBW (Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg). Woanders ist schon ein Tier im Arten-Korb Anlass zu Aktivitäten, hier sind nicht nur Tagfalter, sondern auch verschiedene Vögel und Schlagen im Artenkorb, ohne dass bisher etwas passiert ist. Zugegeben, ein NSG und ein geplantes NSG (da kommt es offensichtlich zu Verzögerungen) und einen Modellversuch Kulturlandschaftprojekt gibt es woanders auch nicht.

Unser Ziel für dieses Jahr ist ein erweiterter Falter-Schutz auch außerhalb des NSG. Dafür wurde der Beauftragte für Vertragsnaturschutz im Landratsamt schon angeschrieben. Außerdem wollen wir die Falterpracht verstärkt bekannt machen. Entwürfe für einige Postkarten liegen schon vor und können angefragt werden. Im Juni ist dann auch eine Naturkundliche Wanderung durch das Urseetal vorgesehen, bei der hoffentlich auch Tagfalter gezeigt werden können.

Allen Freunden des Urseetales ein gesundes und erfolgreiches Neues Jahr 2012!

Die Urseetäler

Überlebenskampf

Nachdem wir das Tannenreis für den Adventskranz gesucht hatten und auf dem Weg nach Hause waren, zirbte auf sonniger Halde eine späte Heuschrecke, wahrscheinlich C.biguttulus, ich habe sie nicht gesucht. Schon eine interessante Überraschung am 25. November 2011, immerhin hat es nachts schon -5 °C und kälter. Aber die Sonnenseiten im Urseetal liegen halt mehrere Stunden in der Sonne. Nett!

Mitten im Wald

Schnell mal eine Abkürzung gesucht, einen Buckel hochgeklettert und da steht da auf einmal ein Kraut, das wir nicht kannten. Wegen der 15 cm und längeren Stiele dachten wir, dass wir ein solches Moos schnell identifizieren können. War aber nicht zu finden. Daher heute bei strahlendem Sonnenschein nochmal losgestampft und die Pflanze ohne Mühe wiedergefunden und fotografiert: Beim Blättern durch den Moose- und Farnpflanzen-Führer dann zufällig Bärlapp gesehen und das ist er auch: der Sprossende Bärlapp (auch Schlangenmoos; Lycopodium annotinum). In der Wikipedia stand dann noch was von Bundesartenschutzverordnung und streng geschützt, aber in Baden-Würrtemberg steht er wohl nicht auf der Roten Liste.

22.11.2011 Sprossender Bärlapp
22.11.2011 Sprossender Bärlapp

Diese Pflanze will einen feuchten, sauren und humusreichen Boden. Dieser wird wohl mitten in einem Fichtenwald gefunden, bei den Holzmatten in Raitenbuch. Dort fand sich dann auch noch ein wintergrüner Rippenfarn (Blechnum spicant):

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22.11.2011 Rippenfarn (Blechnum spicant)

Noch lebt die Wüste!

Nachdem wir schon einige Nächte mit Nachtfrost hatten, sollte man meinen, dass kein Schmetterling überlebt hat. Nichts ist’s: Vorsichtshalber waren die Balkonblumen in den Wintergarten umgelagert und haben die Frostnächte überlebt. Jetzt, wo es keinen Frost mehr hat, stehen sie wieder auf dem Balkongeländer – und siehe da: Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum) vor sieben Tagen und heute angeblich schon wieder, dabei war es heute eine Gammaeule (Autographa gamma). Es gibt allerdings auch fast keine andere Blütenpflanzen mehr, denn die Wiesen sind alle gemäht und die Gartenblumen nach den Frostnächten erfroren. Wenn ich Schmetterling wäre, würde ich mich auch hier einfinden.

 

AutographaGamma_Gamma-Eule_IMGP9962Macroglossum-stellatarum_IMGP9952